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  • Marlene Käseberg

Eine Klasse voll mit Game Designern - ein anstrengender und sehr lohnender Workshop



Ende Februar, bevor die Corona-Krise hier richtig losging, habe ich zum ersten Mal einen Game Design Workshop in einer Schulklasse betreut. Drei meiner Freunde hatten schon letztes Jahr mehrere Workshops auf die Beine gestellt und haben mich gefragt, ob ich nicht mit einsteigen will. Und obwohl ich auch sonst sehr viel zu tun hatte in der Zeit und ehrlich gesagt ganz schön überfordert war, wollte ich natürlich gerne mitmachen.


Wir haben uns zwei Tage freigehalten, um den Workshop zu planen und ein Unity Projekt vorzubereiten. Die Klasse sollte in vier Teams jeweils ein kleines Spiel entwickeln, dass mit dem Mauerfall zu tun hat.


Direkt vor dem Workshop war ich ziemlich gestresst, weil es die letzten Tage in meinem Job waren und ich eine ordentliche Übergabe machen wollte, einen Interrailtrip planen und vorbereiten musste (der natürlich ins Wasser gefallen ist, aber zu dem Zeitpunkt war das noch nicht klar) und genau in den zwei Tagen zwischen meinem letzten Arbeitstag und dem ersten Reisetag, lag der Workshop.


Ich hatte das Gefühl: Ich bin nicht gut genug vorbereitet. Diesmal sollten die Kinder auch animieren und dafür war ich zuständig. Ich hatte Handouts vorbereitet, aber keine Zeit mehr gehabt eine "Schulstunde" dazu vorzubereiten. Gut wäre es gewesen, wenn wir Beispiele hätten zeigen können. Erst die einzelnen Bilder und dann die Animation, die sich daraus ergibt. Und einfach ein paar Beispiele, wie man mit sehr wenigen Bildern eine selbstgemalte Umgebung etwas lebendiger gestalten kann.


Was ich bei dem Workshop gelernt habe: Vorbereitung ist nicht alles!

Oder anders: Wir waren ganz gut vorbereitet! Ab jetzt wird es eben noch besser.

Oder: Man kann sich gar nicht richtig vorbereiten.


Wir haben meiner Meinung nach sehr coole Ergebnisse, dafür dass wir nur zwei Tage Zeit hatten. Natürlich kann man noch einiges verbessern, aber das ist eben ein Prozess. Und der Prozess kann Spaß machen, wenn man sich nicht zu sehr stresst. Beim nächsten Mal haben wir dann mehr Animationsbeispiele oder versuchen mal einen Workshop ohne Teams, sondern eher mit Stationen.

Mein Anspruch ohne tatsächliche Erfahrung einen perfekten Workshop zu planen war einfach völlig realitätsfern. Jeder Lehrer, Erzieher und Pädagoge lacht sich darüber nur kaputt.

Und der Witz an der Sache ist, dass Kinder, eine ganze Schulklasse voll, sowieso jeden Plan auseinander nehmen und man sehr flexibel sein muss.


Alles in allem war es extrem anstrengend, aber auch sehr, sehr lohnend. Die Ergebnisse sind toll und ich habe unheimlich viel gelernt und das beste ist: Ich habe Lust, es noch mal zu machen! Es hat Spaß gemacht!

Hier stehe ich leicht überfordert zwischen meinem Team. Sie bauen ihre Level in Unity.


Der schöneste Moment für mich: Ein Junge in meinem Team hatte zwei Bilder für die Laufanimation des Hauptcharacters gemalt und dann keine Lust mehr und ich musste ihn überreden weiterzumachen (bzw. einfach sagen: "Mach das jetzt fertig!"*). Und er hat widerwillig weiter daran herumgemalt. Nachdem die Kinder weg waren haben wir die Bilder freigestellt und in Unity als Animation eingefügt. Und am nächsten Tag konnten sie dann ihre eigenen Figuren laufen sehen.

Die Reaktion des Jungen: "Woaaah coool, die läuft ja?!?!"

Darüber habe ich mich sehr gefreut!




*Autoritäres Herumkommandieren liegt mir nicht so (meine Familie würde jetzt widersprechen), war aber tatsächlich oft nötig und hat gut funktioniert. Die Lehrerin, Frau Lerch, hat das sehr gut hinbekommen, immer eine Mischung aus: "Was machst du denn da?! Mach jetzt gefälligst das, was du tun sollst!" und motivierendem: "Schau doch mal. Das ist doch schon super, weiter so!".

Ich fand das aber schwierig, so harte Ansagen zu machen, weil ich mich in dieser für mich sehr neuen Situation selbst wie ein Kind gefühlt habe und nicht wie die Erwachsene im Raum, die die Ansagen macht. Beim nächsten Mal wird das anders - aufgepasst! ;)


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