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  • Marlene Käseberg

Meander Books | DCP - Warum diese Gala?

Aktualisiert: 30. März 2020


Es gab einen roten Teppich mit Cosplayer und Fotografen, die mir zugerufen haben, was ich machen soll. Es war ein bisschen surreal und auch ein bisschen übertrieben, oder?

Meander Book hat dieses Jahr beim DCP den 2. Platz gewonnen. Das hat mich unglaublich gefreut und es gibt mir die Möglichkeit, an diesem Projekt weiterzuarbeiten, da mit diesem Titel auch ein Geldpreis von 15.000 Euro verbunden ist. Dafür bin ich natürlich sehr dankbar!


Die DCP Gala war allerdings auf fast allen Ebenen ein großes Desaster - was ich sehr schade finde. Wenn schon so viel Geld (teilweise ja auch das des Steuerzahlers) in ein Event gesteckt wird, das nach Angaben der Ausrichter stattfindet, um die Games-Branche zu unterstützen und zu legitimieren, dann sollte es doch auch hauptsächlich um die Spiele und deren Entwickler gehen, oder nicht?


Fast jeder Mensch, der auf der Bühne Sprechzeit bekam, hat über sich und seine Rolle bei diesem Event gesprochen, oft zugegeben, keinen Kontakt zu und keine Ahnung von Spielen zu haben und meistens auch noch versucht, eine eigene Agenda durchzubringen.


Dorothee Bär, die Ministerin für Digitalisierung, hat zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Scheuer die Zeit auf der Bühne genutzt, sich selbst zu loben und ihre Partei anzupreisen. Ersteres finde ich in Maßen sogar in Ordnung, sich kurz für ihre Arbeit den DCP betreffend feiern zu lassen, das macht Spaß und fühlt sich gut an. Das kann man ihnen schon gönnen.

Aber was hat das Ganze mit ihrer Partei zu tun?


Warum wird dieses Event so groß aufgezogen. Überdimensioniert?

Warum geht es so viel um die Presse? Ist schlechte Presse wirklich besser als keine? Meiner Meinung nach hat dieses Event (abgesehen von der finanziellen Unterstützung der Projekte!) der Games-Branche und den Gewinnern nur geschadet.


Warum gibt es 2 Musikeinlagen, wenn die Zeit zu knapp ist, die Zweitplatzierten der Nachwuchskategorien auf die Bühne zu holen?


Und Ina Müller... sie hat den ganzen Abend nicht ernst genommen. Und ich kann sie ein bisschen verstehen. Sie hatte einfach keine Ahnung vom Thema, dann ist es schwierig, den richtigen Ton zu treffen und die richtigen Witze zu machen. Aber sie hätte zwei Möglichkeiten gehabt mit der Sache umzugehen.

1. Einfach nicht zusagen: "Hey, lieb, dass ihr an mich gedacht habt, aber mich interessiert das Ganze überhaupt nicht. Vielleicht sucht ihr euch jemanden, der sich in der Szene bewegt und auskennt."

2. Sich vorbereiten.

Sie hat sich für die dritte Option entschieden: Schlechte, unpassende und an vielen Stellen peinliche Moderation.

Das Schlimmste war, dass sie uns, die nominierten Spieleentwickler, die ganze Zeit mit Gamern in einen Topf geworfen hat. Und ihr Bild von Gamern war auch noch geprägt von Klischees aus dem letzten Jahrhundert. Gamer sind aus ihrer Sicht dicke Männer mit wenig Haaren und vielen Pickeln, die bei ihren Müttern im Keller wohnen und nur hochgehen, um sich Limo und Chips zu holen.

Dass die Nominierten und Gewinner aber gar nicht unbedingt "Gamer" sind (zumindest nicht hauptberuflich), sondern Game Developer, Programmierer, Designer, Künstler, Projektleiter, etc. war Ina Müller offensichtlich nicht klar.

Selbstverständlich spielen wir auch Spiele, aber wir waren dort, weil wir Spiele entwickeln und gestalten. Darum ging es. Wenn man dann unbedingt mit Klischees um sich werfen will, dann doch bitte über Spieleentwickler, Game Designer, Programmierer, Künstler, ...


Die Zeit auf der Bühne war für viele der Gewinner kein Moment der Würdigung und Freude, sondern der Verteidigung. Ina Müller hat versucht, um jeden Preis lustig zu sein und sich dabei über jeden und alles lustig gemacht. Dabei hat sie sich leider im Ton vergriffen.

Ich war eher froh, dass ich nicht auf die Bühne musste, weil ich wirklich keine Rampensau bin. Außerdem hätte ich völlig allein auf die Bühne gehen müssen und mich Ina Müller und ihrem unpassenden Verhalten aussetzen müssen. Andererseits war es ein bisschen schade, dass die Zweitplatzierten der Nachwuchskategorien gar keinen Pokal oder Scheck bekommen haben. Gar nicht so sehr, weil ich den so dringend haben wollte, aber für die Party danach wäre es irgendwie praktisch gewesen. Ich bin relativ zurückhaltend und schüchtern und habe von mir aus nicht so viel mit allen gesprochen, aber die Gewinner wurden immer an ihren Pokalen erkannt und direkt angesprochen. Das heißt, so ein Pokal wäre für mich als Ice Breaker sehr praktisch gewesen, außerdem leuchtet er. So habe ich abgesehen von den Leuten, die ich schon ein bisschen kannte, so gut wie keine neuen Kontakte geknüpft, wofür sich der Abend eigentlich angeboten hätte.


Warum wird die Moderatorin nach ihrer Berühmtheit und nicht nach ihrer Eignung ausgewählt? Warum nicht ein Youtuber, ein Game Developer oder jemand aus der Jury?

Eine Moderatorin, die selbst Teil dieser Branche ist, hätte sich bestimmt auch über viele Klischees und Eigenarten lustig gemacht, aber eben sensibel, respektvoll und treffend.


Warum wird nicht mehr über die Spiele gesprochen, die nominiert sind? Warum sprechen die Laudatoren so viel von sich selbst? Siehe MB21 - tolles Event, tolle Laudatoren, menschlich, unaufgeblasen, ehrlich! Es steht vielleicht weniger Geld dahinter, aber viel mehr Integrität!

Warum werden internationale Spiele ausgezeichnet, wenn der Zeitplan eng ist? Es geht doch um den DEUTSCHEN Computerspielpreis und darum, die deutsche Games-Branche zu unterstützen - damit sie irgendwann internationalen Standard erreichen kann. War das auch nur für die Presse?


Meine Vorschläge:

Sucht euch meinetwegen ein Moderatorenteam - Eine Moderatorin mit Berühmtheit aus dem Fernsehen o.Ä. - traditionell, damit alle Politiker zufrieden sind, und eine Moderatorin aus der Branche mit Fachwissen und vor allem dem Verständnis dafür, dass Gamer und Game Developer keine schwitzenden Muttersöhnchen sind.

Erstere kann das ganze Programm durchmoderieren und die zweite könnte respektvoll passende Fragen und Kommentare an die Gewinner/Nominierten und Zuschauer richten, mit Betonung auf respektvoll.

Dafür bitte einen Musikakt weniger, bei dem die Zuschauer zum Mitmachen animiert werden!


Sehr hilfreich wäre es gewesen, den Nachwuchspreisträgern auch eine Art Mentor aus der Branche an die Seite zu stellen oder einen Gründungscoach oder Ähnliches. Natürlich wollen wir alle gerne unsere Projekte fertig machen und erfolgreich veröffentlichen, aber gerade wenn es um Rechtliches geht, hätte mir eine offizielle Gründungshilfe sehr, sehr viel gebracht und vor allem viel Sicherheit gegeben. Es funktioniert jetzt auch so, aber vielleicht wäre das eine interessante Idee für die Preisträger der kommenden Jahre.

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